KDP-Gratisaktion(en): ein Fazit

Drei Gratis-Tage sind vorbei. Was ist passiert? Wieviel kam weg? Kommt was zurück? Und nützen KDP-Select und seine Gratis-Tage überhaupt irgendwas oder irgendwem? Hier ist es: das Fazit eines unbekannten Kleinautoren, der schließlich erkannt hat, dass auch die größten Hoffnungen auf die Dauer allein nicht ausreichend sein mögen …

Meine Gratis-Geschichte:

Dreimal habe ich bislang Gratistage via KDP-Select angeboten: An den Weihnachtsfeiertagen 2012 (drei Tage), Anfang Februar 2013 (zwei Tage), und jetzt Mitte Juli 2013 (wieder drei Tage). Die Motivation beim ersten Angebot: zu Weihnachten frisch verschenkte Kindles; die Motivation beim zweiten: Auslieferungsdatum des (damals) neuen Kindle Paperwhite; Motivation jetzt: die Printausgabe von Fern wie die Zeit feiern.

Während der ersten Gratistage Weihnachten 2012 wurden 2.185 E-Books heruntergeladen. Während der Februar-Aktion dann 5.136 Exemplare. Und jetzt, im Juli, 1.673 Stück. Macht zusammen fast 9.000 virtuelle Bücher.

Im Januar, also im Anschluss an die Weihnachtsaktion, verkaufte ich 33 E-Books. Im Februar, nach der zweiten Aktion, waren es 179 Exemplare. Im März wieder 35, und von da an ging der Absatz stetig nur noch in eine Richtung: abwärts.

Alles in allem wurden bis heute 305 E-Books von Fern wie die Zeit gegen Geld käuflich erworben (ganze drei davon seit dem Ende der dritten Gratis-Aktion). Insgesamt 8.994 Stück wurden gratis heruntergeladen. Das Fazit ist eindeutig: Einfach nur gratis anbieten funktioniert nicht. Der Effekt ist gleich null.

Der Fluch des Rankings

Die virtuellen Bücherregale sind lang und geduldig, und die virtuellen E-Book-Shops haben gegenüber klassischen Buchhandlungen einen unbestreitbaren Vorteil: endlosen Lagerplatz. Papierbücher werden entweder verkauft oder irgendwann an den Verlag zurückgesandt; E-Books stehen, wenn gewünscht, auf immer im virtuellen Raum und können daher auch grundsätzlich immer erworben werden. Nur: Woher soll man wissen, dass dieses E-Book auch existiert, eine unabdingbare Voraussetzung dafür, es auch kaufen zu können/wollen? Nun – man weiß es eben nicht. Es ist zwar vorhanden, aber unsichtbar. Und: Je weniger Verkäufe ein E-Book hat, umso unsichtbarer wird es, Qualität hin oder her. Taucht man also nicht in einer Bestseller-Liste (bei Amazon) auf, ist das Buch quasi inexistent: Was nicht „gerankt“ wird, gibt es nicht.

Wie wird man sichtbar? Leider nicht durch Gratis-Aktionen

Seit Ende 2012 hat Amazon auf seinen Seiten Gratis-E-Books und „reguläre“ E-Books im Ranking voneinander entkoppelt. War es zuvor möglich, mit einem kostenlos angebotenen E-Book die Charts emporzuklettern und nach dem Ende der Aktion mit dem erreichten Ranking noch ein wenig Geld zu verdienen (oder gar die erreichte Position durch neugewonnene, dank Rankingposition auf das nun „sichtbare“ Buch aufmerksam gewordene Leser zu verteidigen), so steht ein kostenloses E-Book nach dem Ende seiner Aktion seit dieser Entkopplung nach dem Ende einer Aktion wieder genau dort, wo es zuvor auch schon stand: jenseits von Gut und Böse.

Empfehlen Gratis-Downloader das E-Book weiter?

Vielleicht – wenn sie es denn lesen. Viele Gratis-Downloader folgen wohl eher dem Sammeltrieb, frei nach dem Motto: Was man hat, das hat man. Ob das Buch dann letztlich auch gelesen wird, ist eine andere Frage. Die Mehrzahl aller Gratis-E-Books dürfte auf den Kindle-Readern der Sammler virtuell verschimmeln. Meine eigene Erfahrung in dieser Hinsicht: Bei 9.299 heruntergeladenen Exemplaren gibt es einundzwanzig Kundenbewertungen. 0,2 Prozent aller potentiellen Leser bewerten also, und nichtmal die haben das Buch notwendigerweise tatsächlich gelesen, wie man aus den Erläuterungen zu ihren Bewertungen schließen kann.

Wenn die Gratis-Downloader das Buch allerdings herunterladen, tatsächlich auch lesen und gut finden – dann kaufen sie doch vielleicht auch andere Bücher desselben Autoren?

Vielleicht. Wenn diese anderen Bücher tatsächlich existieren, kann ein zufriedener Gratis-Leser ein Stammkunde werden. Was man dafür natürlich braucht: andere Bücher.

KDP-Select und Gratisaktionen lohnen sich nur für den Autoren, der (viele) andere Bücher im Angebot hat

Halten wir also fest: Gratis-Aktionen bei Amazon bringen einem einzelnen Buch so gut wie nichts. Wer es herunterlädt, liest es nicht unbedingt, und die Ranking-Position, die das Buch erreicht, ist nach dem Ende der Aktion augenblicklich wieder verloren. Der einzige Mitnahme-Effekt, der entstehen kann, ist, dass zufriedene Leser auch nach anderen Büchern des Autoren Ausschau halten. Für Self-Publisher ohne großes Portfolio sind KDP-Select und seine Gratisaktionen jedoch mehr oder weniger sinnlos.

Weswegen ich jetzt wieder an die Arbeit gehe. Letztendlich hilft eben nur eines: Schreiben, schreiben, schreiben.

19. Juli 2013 von Florian Popp
Kategorien: Kindle, Self-Publishing | Schreibe einen Kommentar

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