E-Book und Taschenbuch – Preis und Leistung

Lange genug hat es gedauert, aber jetzt gibt es Fern wie die Zeit endlich auch als Taschenbuch: CreateSpace macht es möglich, der Print-on-Demand-Dienstleister von Amazon. Jetzt stehen E-Book und T-Book einträchtig nebeneinander im Amazon-Shop, das eine für 2,99 Euro, das andere für 9,99. Doch wie verhält es sich hier mit Preis und Leistung, für den Leser wie den Autor?

E-Book

Am Anfang war wieder mal das Wort, bald danach jedoch das E-Book. Der Durchschnittspreis von selbstverlegten E-Books liegt, auf Amazon zumindest, bei 2,99 Euro, lässt man den gelegentlichen 99-Cent-(Pr-)Eisbrecher außer acht.
Das ist auch der Preis für die Daten-Version von Fern wie die Zeit: Weil es nicht zuwenig ist (immerhin bekommt der Leser für dieses Geld 340 Seiten hartgekochtes Lesevergnügen), nicht zuviel (denn schließlich bekommt der Leser auch kein handfestes Buch, sondern „nur“ einen elektronischen Datensatz), und weil am Ende sogar ungefähr doppelt soviel beim Autoren hängenbleibt, wie bei einem klassischen Verlagstaschenbuch (hier erhält ein Autor meist zwischen acht und zehn Prozent vom Nettoerlös, also einen Euro; beim E-Book von Fern wie die Zeit bleiben immerhin knapp unter zwei Euro bei mir – was für die tatsächlich jahrelange Arbeit ganz schön ist). Sogar die 30 Prozent, die Amazon sich „für nichts“ abzwackt, also für das Online-Stellen im Kindle-Store, wirken auf den zweiten Blick fair: denn wie sonst sollte man mit seinem E-Book Zugang zu einem so großen Kundenstamm bekommen?

Druckbuch

Beim CreateSpace-Taschenbuch sieht alles ganz anders aus: Hier ist „echtes“ Material involviert, hier wird tatsächlich gedruckt, geschnitten, geklebt und geliefert (wenigstens nicht auch noch gelagert, es ist ja Print-on-Demand). Das ist auch schon die Aufgabenbeschreibung von CreateSpace bei der ganzen Geschichte, es druckt, schneidet, klebt und liefert. Alles andere hängt, wie beim E-Book, am Autoren selbst. Und der hat bei einem Print-Buch plötzlich sehr viel mehr zu bedenken als bei einem elektronischen.
Schon allein den Datensatz komplett zu layouten war eine Großanstrengung; ihn dann nochmal anzupassen an die doch ziemlich mäkeligen Druckvorgaben von CreateSpace jede Menge Fleißarbeit. Nach dem Layout des Innenteils musste noch ein (neues) Cover her, mit Vorder- und Rückseite und Buchrücken – auch hier steckt eine Menge Arbeit drin. Und dann schließlich das Hochladen und Genehmigen-Lassen, und dann zur Preisgestaltung.

Reichtum verschoben

Spätestens hier gesteht man sich ein: Mit einem Print-on-Demand-Buch wird niemand reich, jedenfalls nicht der Autor. Es ist eher ein schönes Extra, das man jenen Leuten anbieten kann, für die ein E-Reader unerwünscht oder ein Buch mit sieben Siegeln ist. Es ist auch – natürlich – ein „richtiges Buch“, mit dem man sich als „echter“ Autor fühlen mag, wenn man darauf Wert legt. Aber von 9,99 Euro Verkaufspreis auf Amazon bleiben circa 95 Cent beim Autoren – CreateSpace macht hier einen guten Schnitt, und der Verfasser hat, neben dem Taschengeld, wenigstens die Ehre.
„Moment!“, mag der Einwand lauten, „Das sind doch auch immerhin fast zehn Prozent vom Verkaufspreis – ist doch genau wie bei einem Verlagsautoren!“ Stimmt. Bei denen im Preis mit eingeschlossen ist aber auch ein Verlag, der ihnen einiges abnimmt (zum Guten oder Schlechten): Layout, Covergestaltung, von einem „richtigen“ Lektorat gar nicht zu reden (wo es sowas noch gibt). All das bietet CreateSpace natürlich nicht – nimmt aber das Geld.

Keine Litanei

Nun soll dieser Text nicht in eine undankbare Beschwerderede ausarten, nichts liegt mir ferner: Immerhin ist es tatsächlich ein ganz gutes Gefühl, Fern wie die Zeit als gedrucktes Buch in der Hand zu halten, und das Resultat sieht (zumindest bei den über Amazon.de bestellten und daher in Deutschland gedruckten Exemplaren) auch ziemlich professionell und zufriedenstellend aus. CreateSpace ist mit Sicherheit auch kein gemeinnütziger Verein, sondern ein Unternehmen, das seinen Gewinn machen will – und ihn mit seinem Angebot eben auch macht. Und ich, ich hätte ja einen höheren Taschenbuchpreis festlegen können, bin an den 95 Cent also selbst überhaupt nicht unschuldig. Aber 9,99 Euro sahen so viel besser aus als 10,99 oder gar 11,99, und man will ja auch an die Kundschaft denken – und so blieb der Preis unter der magischen Grenze von zehn Euro, und das eigene Profitinteresse hintenan gestellt.

Den Leser finden

Ich werde mit jedem verkauften „echten“ Buch trotzdem zufrieden sein, weil mit jedem einzelnen von ihnen das Wichtigste überhaupt erreicht wird: den Leser zu finden. Der jetzt nicht mehr nur auf dem Kindle elektronisch lesen kann, sondern auch auf ganz althergebrachte Weise, auf Papier, mit Gefühl, Geruch und was es noch alles ist, was manche an Büchern so unverzichtbar finden …

12. Juli 2013 von Florian Popp
Kategorien: CreateSpace, Kindle, Self-Publishing | Schreibe einen Kommentar

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