Amazon und die anderen

Amazon ist nach wie vor der größte Anbieter von E-Books im deutschsprachigen Raum (mit einem Marktanteil von 46 Prozent im 4. Quartal 2012). Aber man soll ja nicht all seine Eier in nur einen Korb legen, wie es so schön heißt.
Nun erscheint Fern wie die Zeit für die nächsten drei Monate aber wieder exklusiv bei Amazon und nur für den Kindle. Warum? Weil der Rest des Marktes ein wenig enttäuschte …

Fern wie die Zeit erschien im Dezember 2012 zuerst exklusiv auf Amazon, um dort das KDP-Select-Programm nutzen zu können, das es ermöglicht, ein teilnehmendes E-Book innerhalb der 90-tägigen Laufzeit fünf Tage lang kostenlos anzubieten. Im Rahmen zweier Kostenlos-Aktionen (zu Weihnachten 2012 und Anfang Februar 2013) wurden dann auch über 7.500 Exemplare heruntergeladen. Die folgenden tatsächlichen Verkäufe bewegten sich (natürlich) deutlich darunter, machten aber Mut.

Andere Mütter haben auch schöne Töchter

Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es vielleicht schlauer wäre, Fern wie die Zeit auch auf anderen Plattformen anzubieten – nicht jeder hat schließlich einen Kindle. Wenn die Kindle-App auch auf allen möglichen Geräten läuft, so bleiben die E-Reader von Sony, Kobo und sowieso alle Lesegeräte, die lieber das ePub- als das Amazon-„eigene“ mobi-Format nutzen, vom schönen Angebot doch ausgeschlossen. Und wer schließt schon gerne mögliche Kunden aus. Dachte ich.

Die Anmeldung von Fern wie die Zeit bei KDP-Select wurde also nicht erneuert, und das E-Book nach reiflicher Überlegung im April 2013 bei Xinxii.com eingestellt – einem E-Book-Distributoren, der, nach eigenem Bekunden, E-Books (gegen Gewinnbeteiligung) an alle wichtigen E-Book-Portale weitervermittelt, darunter den iTunes-Store, Kobo, Weltbild, Hugendubel und so weiter. Alles, was es dazu brauchte, war eine ISBN, die ich pflichtschuldig erwarb, dann konnte es losgehen. Angeblich. Amazon nahm ich noch aus den verfügbaren Distributionskanälen heraus, ebenso wie Kobo – die beiden konnte ich schließlich auch alleine verwalten, ohne Prozente abzugeben. Dann begann die große Warterei. Und dauerte bis vor Kurzem.

Verschollen und untergegangen

Ohne mit zähen Details zu langweilen, an dieser Stelle einfach das Resultat des Experiments „Diversifikation“: Xinxii.com kam niemals dazu, Fern wie die Zeit tatsächlich zu distribuieren – drei Monate lang hieß es nur, das Buch sei „eingereicht“, aber tatsächlich passierte offenbar nichts. Die Reichweite der Xinxii-Plattform selbst, also ohne Weiterverbreitung auf den Shops dritter, kann man getrost im Promille-Bereich ansiedeln. Verkäufe auf Xinxii vom April bis Juli: null. Distributionsstatus: eingereicht (und dann offenbar verschimmelt).

Wie sah es bei Kobo aus, immerhin ein Unternehmen mit einem höchsteigenen, angeblich gar nicht so üblen E-Reader? Hier war das Online-Stellen ähnlich unkompliziert wie bei Amazon, das Resultat ein erwerbbares ePub-Exemplar, theoretisch geeignet für eine ganze Reihe an Endgeräten. Verkäufe von April bis Juli auch hier: null.

Ein Platzhirsch unter Kitzen

Nun ist klar, dass hier eine ganze Reihe anderer Variablen mit hineinspielen: Habe ich „Werbung“ gemacht? (Ich habe es zumindest versucht, bin darin aber unglaublich schlecht.) Wie sahen die Produktseiten aus? (Ganz ordentlich eigentlich, ähnlich jener auf Amazon, die ich ziemlich gelungen finde.) Taugt das Buch überhaupt irgendwas? (Ich hoffe es. Meinem Geschmack nach: ja.) ;-)
Aber letztendlich läuft es vermutlich hierauf hinaus: Amazon ist auf dem deutschen E-Book-Markt nach wie vor der Platzhirsch. Erfolge irgendeiner Art werden hier errungen, alles andere (mit Ausnahme vielleicht des iTunes-Stores, in dem ich aber nie angekommen bin, siehe Xinxii) ist bislang nur schmückendes Beiwerk, ein „Nice-to-Have“, aber offenbar kein Muss.

Zurück zu den Wurzeln

Fern wie die Zeit ist nun wieder bei KDP-Select angemeldet. Ob weitere Gratis-Tage hilfreich dabei sind, die Sichtbarkeit des E-Books wieder zu erhöhen oder sonst etwas bringen, werde ich in Kürze feststellen (und hier berichten). Zu verlieren habe ich jedenfalls nichts, und zu gewinnen gibt’s ja immer wenigstens eines: Erfahrung.

11. Juli 2013 von Florian Popp
Kategorien: Self-Publishing | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert